Gepflegter Sex

“Vagisan – für den gepflegten Sex” lautet der harmlos klingende Slogan des TV-Spots der Werbekampagne einer Feuchtcreme “für einen gepflegten Intimbereich”.

Passender wäre jedoch: “Druckaufbau statt Druck ablassen – dank Vagisan” Denn genau das tut dieses Produkt. Und zwar den Druck, im natürlichen Zustand nicht reinlich genug zu sein, wenn zum eigenen Hygiene-Repertoire nur Wasser und Seife gehören. Und auch die Angst wird geschürt, beim Sex nicht sofort flutschig wie ein Aal zu werden, aber so zu riechen.

Dies ist kein Manifest à la Charlotte Roche und ihrer müffelnden, eiternden und blutenden Feuchtgebiete. Körperpflege muss sein, aber dafür gibt es die Dusche und Duschgels. Wer mag, greift noch zu Rasierer und Schaum. Dann hat sich die Sache doch eigentlich, oder? Warum denken die Hersteller der “pflegenden Feuchtcreme”, dass wir Frauen schon ewig darauf gewartet hätten und nun erleichtert zuschlagen. Die Antwort: Automysophobie – die Angst dreckig zu sein und/oder zu stinken.

Viele Frauen haben diese Phobie. Ich bin eine Frau, ich habe in meinem Leben viele Frauen kennen gelernt. Ich übertreibe nicht. Es ist eine Angststörung. Und die treibt so manche Frau zu den komischsten Denk-, und Verhaltensmustern. Mitten im Vorspiel aufspringen und “sich noch mal frisch machen” ist noch harmlos, gegen all den Aufwand, den viele Frauen betreiben, um unter der Gürtellinie immer frühlings frisch zu riechen. Männer haben keine Ahnung, wie viel Druck sich Frauen machen. Das geht so weit, dass manche Frauen sogar auf Oralverkehr verzichten. Nicht weil sie ihn nicht mögen, sondern weil sie Angst haben, unangenehm aufzufallen. Dieser Druck verleitet uns auch dazu, diese beknackten “Pflegeprodukte” zu kaufen. Und da Angst und Druck nicht gerade als Gefühle bekannt sind, die Frauen so richtig anheizen, trifft es sich gut, das die Pflegecreme angeblich Gleitgel ersetzt. Denn das braucht sie jetzt auch, falls überhaupt noch was geht.

Wer die Schuld aber in der Werbung sucht oder bei Männern, die dumme Sprüche über müffelnde Sexpartnerinnen reißen, liegt falsch. Es ist an uns, ob wir die Botschaft der Werbung kritisch hinterfragen oder glauben, dass wir nur keimfrei wirklich geil sind. Und ob wir auf die Trottel mit den kurzen Penissen (ein Klischee schlägt das andere) hören.

Was ich eigentlich sagen wollte: Manch eine Werbung stinkt mir gewaltig!

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